AKTUELLES
:: Temporärer Hautersatz für Brandopfer
:: Comeback der Stammzellforschung in den USA
:: Stammzellen helfen Patienten nach Herzinfarkt
:: Stammzellen helfen bei Herzfehler
:: Lebewesen aus Hautzelle gezüchtet
:: US-Forscher entdecken Blasenkrebs-Stammzellen
:: 2,5 Millionen Euro für bayerischen Forschungsverbund
:: Blutzellen in unbegrenzter Menge
:: profil: „Unschätzbarer Fortschritt“
:: Temporärer Hautersatz für Brandopfer
Wie Welt Online berichtet, ist es französischen Forschern gelungen, menschliche Haut aus embryonalen Stammzellen herzustellen. Dies könnte Opfern von schweren Verbrennungen das Leben retten. Sie brauchen eine Transplantation von eigenem Hautgewebe auf die verbrannten Körperpartien. Bisher dauert es allerdings mehrere Wochen, bis das Gewebe aus eigenen Keratinozyten – das sind hornbildende Zellen, die 90 Prozent der Oberhaut ausmachen – so weit gereift ist, dass es großflächig offene Wunden abdecken kann. Die neue Methode der Wissenschafter des Instituts für Stammzelltherapie in Evry könnte vorgefertigte Hautstücke verfügbar machen, die den Verbrennungsopfern als temporärer Hautersatz aufgelegt werden, bis das eigene Hautgewebe gezüchtet ist.
:: Comeback der Stammzellforschung in den USA
Wie die Tageszeitung Der Standard in seiner Online-Ausgabe berichtet, hat die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen in den USA unter Präsident Barack Obama neuen Input erhalten: Die staatlichen Gesundheitsinstitute gaben die Nutzung von 13 Linien solcher Stammzellen frei, die den im Sommer veröffentlichten ethischen Richtlinien entsprechen. Diese verlangen das volle Einverständnis der Spender und beschränken die Nutzung auf Embryonen, die auch sonst zerstört worden wären. Das Comeback der Stammzellforschung in den USA ist eine radikale Kehrtwende zu den vorangegangenen acht Jahren: Obamas Vorgänger George W. Bush hatte mit Rücksicht auf die konservativen christlichen Gruppen im Land die öffentlich finanzierte Stammzellenforschung als ethisch nicht vertretbar abgelehnt und verboten.
:: Stammzellen helfen Patienten nach Herzinfarkt
Adulte Stammzellen können dazu beitragen, durch einen Infarkt beschädigtes Herzgewebe zu regenerieren. Die Zellen unterstützen die Bildung neuer Blutgefäße und den Transport von Sauerstoff zum Herzen. Das ist das Ergebnis einer Phase-1-Studie, die in der Fachzeitschrift Journal of the American College of Cardiology veröffentlicht wurde. An der an insgesamt zehn US-amerikanischen Herzzentren durchgeführten Studie waren 53 Patienten beteiligt, die innerhalb von zehn Tagen vor Studienbeginn einen Herzinfarkt erlitten hatten. Sie erhielten mesenchymale Stammzellen, die aus dem Knochenmark gesunder Spender stammten oder Placebo. Die Verumgruppe schnitt dabei deutlich besser ab. Sechs Monate nach der Behandlung hatten die Patienten, die die Stammzellen erhalten hatten, eine höhere Lebensqualität, waren in der Lage, mit jedem Herzschlag mehr Blut zu transportieren und wiesen um 75 Prozent weniger Arrhythmien auf.
:: Stammzellen helfen bei Herzfehler
Eine Therapie mit Stammzellen aus Nabelschnurblut kann Rostocker Forschern zufolge bei einem schweren angeborenen Herzfehler die Funktion des Organs deutlich verbessern. Bei der Studie der Universitätsklinik Rostock ist die Wirkung bei „Fallotscher Tetralogie“ untersucht worden. Dieser Defekt ist verantwortlich für etwa zehn Prozent der angeborenen Herzfehler. Bei der Untersuchung seien Schafen Stammzellen direkt in den Herzmuskel injiziert worden, berichtet die Universität über die Arbeit des Teams um Can Yerebakan. Drei Monate später hätten die Versuchstiere eine um mehr als ein Fünftel bessere Funktion der rechten Herzkammer gehabt als unbehandelte Tiere. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Cell Transplantation veröffentlicht.
:: Lebewesen aus Hautzelle gezüchtet
Auf den ersten Blick sieht es aus wie alle anderen. Doch das Mäuschen Xiao Xiao steht für eine Revolution in der Wissenschaft. Einem Team um den Biowissenschaftler Xiao-yang Zhao von der Akademie der Wissenschaften in Peking ist es erstmals gelungen, aus der Hautzelle einer Maus ein komplettes Lebewesen zu züchten. Revolutionär an dieser Maus ist nicht nur, dass damit Hoffnungen auf eine Befreiung des Menschen von bislang als unheilbar geltenden Krankheiten neue Nahrung erhalten. Revolutionär ist in medizinethischer Hinsicht auch, dass damit erstmals gezeigt wurde, dass sich normale Gewebezellen so rückprogrammieren lassen, dass sie die umstrittenen embryonalen Stammzellen wohl bald ersetzen können. Das heißt, dass der Mensch in der Lage ist, soweit in den Kreislauf der Natur einzugreifen, dass es nicht einmal mehr einer embryonalen Stammzelle, dem bisherigen Ausgangspunkt allen Lebens bedarf, um ein Lebewesen zu klonen. Es genügt eine Gewebezelle – zum Beispiel ein Stück Haut.
:: US-Forscher entdecken Blasenkrebs-Stammzellen
Entstehung und Wachstum eines Tumors sind auf spezielle Krebszellen mit Stammzelleigenschaften zurückzuführen. Nur wenn diese zerstört werden, ist eine Heilung möglich. Ein amerikanisches Forschungsteam um Irving Weissman von der Stanford University hat einen solchen Zelltyp nun auch bei Blasentumoren entdeckt. „Unsere Ergebnisse liefern wichtige Erklärungen für die Entstehung von Blasenkrebs und könnten helfen, Diagnose und Therapie zu verbessern“, erklären die Forscher im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences. Ihnen ist es gelungen, in menschlichen Blasenkrebsproben Zellen mit Eigenschaften von Stammzellen nachzuweisen. Im Gegensatz zu den übrigen Krebszellen waren sie in der Lage, nach Verpflanzung in andere Mäuse neue Tumoren zu bilden.
:: 2,5 Millionen Euro für bayerischen Forschungsverbund
2,5 Millionen Euro für insgesamt zehn neue Projekte stellt der Freistaat Bayern dem Forschungsverbund „Adulte Neurale Stammzellen“ (ForNeuroCell) zur Verfügung. Wie Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch bekanntgab, wird damit der erfolgreiche Forschungsverbund aus Wissenschaftlern der Universitäten Erlangen, München, Regensburg und Würzburg sowie des Helmholtz-Zentrums München für weitere drei Jahre fortgesetzt. Im Verbund arbeiten Wissenschaftler aus den Bereichen Medizin (Neurologie, Neuroradiologie, Neuropathologie), Physik, Biologie und Biochemie interdisziplinär zusammen. Ziel ist es, neue klinische Therapieansätze zu entwickeln, um die geschädigten Zellen im Nervensystem zu regenerieren oder zu ersetzen. Im Mittelpunkt der Forschung stehen so genannte adulte Stammzellen, mit deren Hilfe man hofft, gestörte Gehirn- und Rückenmarksfunktionen wiederherstellen zu können.
:: Blutzellen in unbegrenzter Menge
Einer Gruppe von Forschern an der Medizinischen Universität Graz ist es gelungen, Blutgefäßzellen in praktisch unbegrenzter Menge im Labor zu züchten. Die Grazer Forscher haben ein Verfahren entwickelt, mit dem aus nur fünf Millilitern Blut aus der menschlichen Armvene hocheffizient stammzellähnliche „Endothel-Progenitorzellen“ vermehrt werden können. Bei der Züchtung der Zellkulturen lautet das Motto „Weniger ist mehr“. Im Unterschied zu bisherigen Methoden, die jeweils mehrere tausend EP-Zellen verwenden, beschränkt man sich auf rund 100 Zellen pro Quadratzentimeter. „Wenn die Zellen mehr Platz haben, vermehren sie sich besser“, sagt Gruppenleiter Dirk Strunk. Durch die erfolgreichen Forschungen ist es möglich, jetzt leicht zum Startmaterial für die Regeneration von beispielsweise ischämisch geschädigten Organen zu kommen.
:: profil: „Unschätzbarer Fortschritt“
Von einer sich anbahnenden Wende in der Krebstherapie berichtet das österreichische Nachrichtenmagazin profil in seinem Medizin-Extra im Juni. Die dendritischen Zellen werden als „neue Waffe gegen Krebs“ bezeichnet. „Da die Krebszellen entartete körpereigene Zellen sind, werden sie vom Immunsystem nicht als fremd erkannt und daher nicht attackiert. Wenn es jedoch gelänge, diese Blockade auszuschalten und das körpereigene Immunsystem gegen den Krebs ‚scharf’ zu machen, sodass es die Tumorzellen vernichtet, dann wäre das ein unschätzbarer Fortschritt.“, heißt es in dem Beitrag „Generalangriff“ von Robert Buchacher. Auf kaum einem anderen Gebiet wird derzeit so viel geforscht wie auf dem Gebiet der dendritischen Zellen. Es sind vor allem Forscher an den Universitätskliniken in Wien und in Innsbruck und in der in Krems ansässigen Firma Cell Med, die sich um die Zelltherapie mit dendritischen Zellen verdient machen.
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